--- "Weltpokal der Steher - Forst, am 27.05.2012" ---
--- "3. Großer Preis des Industrievereins Sachsen 1828 e.V. - 02.06.2012" ---

Überraschung bei der DM-Steher: Schwarzer vor Vonhof!

Nürnberg

Bei den Deutschen Stehermeisterschaften 2007 auf der Nürnberger Radrennbahn am Reichelsdorfer Keller gab es vor über 1000 Zuschauern ein überraschendes Ergebnis. In einen 60 – Minuten Radsportkrimi musste sich der haushohe Favorit Timo Scholz mit Platz 3 zufrieden geben. Schon nach den Vorläufen am Freitag, zeigte sich, dass Scholz und Breuer sowie Vonhof und Schwarzer die Titel unter sich ausmachen werden. Bei herrlichem Wetter sorgte zunächst die Sambatruppe Bateria queme für einen schwungvollen und temperament-vollen Auftakt. Unter den Augen von nicht weniger als 8 Stadträten, dem Bürgermeister Horst Förther und den 2.Bürgermeister Clemens Gsell, CSU – General Markus Söder, den Land-tagsabgeordneten Manfred Schuster und Bezirksrat Schmidthammer aus der Politik sowie den Radsportgrößen Karl Kittsteiner, Heinz Jakobi, Fritz Neußer, Horst Duschl, Rainer Podlesch und Jean Breuer um nur einige zu nennen, wurde zunächst der Platzierungslauf um die Plätze 9 bis 15 ausgefahren. Felix Wolf (RV Union Nürnberg), der im Vorlauf ent-täuschte als er 2 Runden auf Scholz verlor und die Finalteilnahme als Fünfter verpasste, zeigte sich dieses mal von seiner besseren Seite. Schon nach 8 Runden konnte er sich von Platz 4 auf
Platz 1 verbessern und nur der Leipziger Ronny Freiesleben konnte mithalten und in einer Runde bleiben. Nachdem dieser Lauf schneller als die beiden Vorläufe war, waren es bei Wolf offensichtlich die Nerven, die ihm einen Streich spielten. Nachdem Prinzengarde und Männerballett noch mal für Entspannung sorgten, stieg die Spannung vor dem großen Finale. Bei der Auslosung der Startreihenfolge hatten die Franken Glück, denn Aurel Siegel (RV Union Nürnberg) lostet die 1 und Mario Vonhof (Schwabach), der an diesem Tag seinen 32. Geburtstag und den siebenjährigen Hochzeitstag feiern konnte loste die 4. Von den Favoriten hatte nur Eric Schwarzer (Bielefeld) Glück welcher die 3 zog, Christian Breuer 6, Florian Fernow 7 und Timo Scholz (beide Berlin) 8 hatten Pech. Gar nicht erst am Start bei der DM rt stand Marc Altmann (Peitz), bei dem die Ärzte eine Knickarterie feststellten, was das Ende seiner Sportkarriere bedeutet. Gleich nachdem Startschuss legten die Fahrer los, als ob es über 20km und nicht über eine Stunde gehen würde. Schon nach einer Minute verbesserte sich Schwarzer auf 2, Vonhof auf 3 und Scholz auf 4. Als der ungeduldige Schrittmacher Peter Bäuerlein auch Vonhof passieren wollte, kam Scholz zweimal von der Rolle. Dabei büßte auch Siegel seine Spitzenposition ein und fiel schon nach 4 Minuten auf die sechste Position zurück. Hinter den neuen Spitzenreiter Schwarzer und Vonhof, gab es einen Kampf auf Biegen und Brechen zwischen Scholz, Fernow und Breuer was allen Dreien viel Kraft kostete. Nach 15 Minuten gab es für Ralph Matecki (Witten) den ersten Rundenverlust. Dieter Durst hoffte vergebens, dass Schwarzer bei der Überrundung Probleme bekommt und fuhr weiter im 20m Abstand mit Vonhof hinterher. In der 18. Minute kommt Breuer von der Rolle und Schrittmacher Lutz Weiß (Leipzig) nutzt die Gelegenheit mit Siegel vorbeizufahren. Nach 21 Minuten verliert Andreas Hildebrandt (Herfurt) die erste von später 8 Runden. Bei der Hälfte der Distanz gab es erneut einen 5-Runden Kampf zwischen Vonhof und dem Meisterschafts-favoriten Scholz, was wieder damit endete, dass Scholz die Rolle verlor. Nach 41 Minuten kommt Fernow erstmals von der Rolle und in der 43. verliert Siegel eine Runde sowie 2 Minuten später auch Fernow. Als Fernow versucht die Runde zurückzuholen riskiert Schwarzers Schrittmacher Christian Dippel Kopf und Kragen, schneidet Fernow und hält die Spitzenposition. Fernow kam total aus dem Rhythmus und musste Siegel passieren lassen. Dann nahm die Dramatik des Rennens noch mal zu. Scholz kommt 10 Minuten vor Schluss wieder beim Angriff auf Vonhof von der Rolle und musste auch noch Breuer passieren lassen. Dann wurden die letzten 15 Runden angezeigt, Vonhof kam von der Rolle, musste 2 Runden später Scholz passieren lassen und auch Breuer verlor eine Runde. Dann hatte sich Vonhof 7 Runden vor Schluss wieder erholt, fuhr an Scholz vorbei und kam Schwarzer immer näher. Die Zuschauer waren längst von ihren Sitzen aufgesprungen und feuerten Vonhof lautstark an. Am Schluss fehlten Vonhof 4m zur Meisterschaft, er wurde aber trotzdem vom Publikum wie ein Sieger gefeiert. In der einen Stunde wurden 72 km auf der rauen Nürnberger Zementbahn zurückgelegt, eine Weltklasseleistung der drei Spitzenfahrer. Im Interview erklärte Vonhof selbstbewusst, dass er gestartet ist um Deutscher Meister zu werden. Mit Eric Schwarzer hat letztendlich der Glücklichere gewonnen, der davon profitierte, dass er im Gegensatz zu Vonhof und Scholz nur wenige Zweikämpfe bestreiten musste. Erfreulich war, dass Siegel als Fünfter vor Fernow einkam und zweimal versuchte Schwarzer aufzuhalten. Bei der letzten Meisterschaft in Nürnberg hatten sich die beiden Lokalmatadoren noch erbittert bekämpft. Timo Scholz hätte mit einem weniger draufgängerischen Schrittmacher sicher eine Siegchance gehabt, für viele Experten war er der Beste. Die spannende Meister-schaft war eine Werbung für den Stehersport und hätte gerne doppelt so viele Zuschauer verdient gehabt. Als ich Dieter Durst fragte, weshalb er es wagte mit den von vielen längst abgeschriebenen Mario Vonhof zu fahren, erklärte er, dass er eigentlich nach der Winter-bahnsaison aufhören wollte. Das war auch der Grund, weshalb er sich von Siegel getrennt hat. Dann hatte Vonhof immer wieder hartnäckig nachgefragt und versprochen intensiv zu trainieren. Als Durst gesehen hat, wie konsequent Vonhof an sich arbeitet, bekam er Mitleid. Man einigte sich bis zur DM beieinander zu bleiben und bei einem Misserfolg aufzuhören. Der zweite Platz sollte für beide Anlass sein weiterzumachen.

Text: Peter Edelhäußer

Link: www.radrennbahn-nuernberg.de
Link: www.stayer.de/peteredelhaeusser
(08. Juli 2007)

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