--- "Weltpokal der Steher - Forst, am 27.05.2012" ---
--- "3. Großer Preis des Industrievereins Sachsen 1828 e.V. - 02.06.2012" ---

Erfurts Stehermatador Rudi Keil gewann das Goldene Rad von Erfurt 1951 und 1952 bei den Profis

In den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren erlebte der Erfurter Stehersport auf seiner damals noch 454m langen Steilpiste im Erfurter Andreasried mit bis zu 15 000 Zuschauern einen gewaltigen Aufwind. Mitten in den Rennen der Profis hinter den damals noch großen Motoren(bis zu 2600ccm Hubraum) war der junge Rudi Keil, aus Friedrichsdorf am Rande der Thüringer Landeshautstadt, der schnell zum umjubelten Lokalmatadoren avancierte.

Wenn der drahtige Renner im schwarzen Trikot mit grünen Längsstreifen sich tief über den Lenker beugte und mit rasanten Spurtrunden an den renommierten Gegnern hinter den populären Schrittmacher Fritz Erdenberger(Halle), Hans Häb(Hannover) oder den später im Andreasried tödlich verunglückten Walter Heßlich(Dresden) vorbei jagte, kann der Jubel der Massen keine Grenzen mehr. Kein Wunder, bereits mit 21 Jahre wurde Keil in Erfurt vor dem Titelverteidiger Emil Kirmse(Halle) als Ostzonenmeister über 100km in einem Lauf gefeiert. Nach dem 5000m-Verfolgungstitel ein Jahr später streifte er sich 1951 als DDR-Meister vor Bobby Hanusch(Berlin) und Conrad Claesens(Erfurt) erneut das Meistertrikot als Steher über.

Auch für die Spitzensteher im damaligen Westdeutschland wie Ex-Weltmeister und Weltrekordler Walter Lohmann(Bochum), Jean Schorn(Köln), Karl Kittsteiner und Heinz Jakobi(beide Nürnberg) war der Erfurter eine große Konkurrenz. Im Jahr 1951 gewann Keil bei sieben Rennen im Andreasried sechs Siegerschleifen. Als einziger DDR-Starter wurde er bei den gesamtdeutschen Meisterschaften in Nürnberg hinter Lohmann und Schorn herausragender Dritter und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft. Den verdienten Lohn bekam er aber nicht. Der DDR-Radsportverband erteilte dem maßlos enttäuschten besten Steher des Ostens jener Jahre keine Starterlaubnis zur WM…..

Zweimal triumphierte Keil auch bei seinem Heimklassiker um das „Goldene Rad von Erfurt“. 1951 gewann er mit Schrittmacher Fritz Erdenberger(Halle) nach hartem Kampf über 100 Kilometer ganz knapp vor Karl Kittsteiner(Nürnberg), dem mehrfachen Deutschen Meister. Ein Jahr später konnte er sich über seinen wiederholten Triumph nicht freuen. Dieser 9. September wurde zu einem schwarzen Tag für das Andreasried, die Rennfahrer und ihre Fans. Beim Auftakt über 30 Kilometer gab es in der letzten Runde den Todessturz des Erich Metze(Dortmund). Der Exweltmeister touchierte im Spurt mit seinem Schrittmacher Werner Schmidt(Berlin) die Umwehrung, überschlug sich und rutsche über die Zielgeraden. „Ich war direkt hinter Erich und schwenkte noch innen vorbei“, erinnert sich Keil noch heute betroffen. Sein großer Sieg im anschließenden Stundenrennen mit respektabeln 66,818 zurückgelegten Kilometern vor Erich Bautz(Dortmund) hatte nur noch statistischen Wert.

Der Stehersport lässt den heute 82-Jährigen immer noch nicht los. Neben seiner mit vier Staatspreisen und 12 Grünen Bändern erfolgreichen Hühnerzucht mit rebhuhnfarbigen Italienern an seinem Haus auf dem Roten Berg gehört Rudi Keil auch wieder zu den Ehrengästen im Andreasried.

Volker Brix

Volker Brix-Fotos:

Entscheidung der Ostzonenmeisterschaft 1949: Rudi Keil/Schrittmacher Hans Käb(oben) kämpfen die Titelverteidiger Emil Kirmse/Fritz Erdenberger nieder.

Rudi Keil als Sieger im Andreasried

Zwei große des Deutschen Stehersports im Andreasried: DDR-Meister Rudi Keil(links) und Exweltmeister Walter Lohmann.
Link: www.stayer.de/volkerbrix
(11. August 2010, Volker Brix)

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