--- "Weltpokal der Steher - Forst, am 27.05.2012" ---
--- "3. Großer Preis des Industrievereins Sachsen 1828 e.V. - 02.06.2012" ---

Schweizer Steher-Meisterschaft:

Giuseppe Atzeni erstmals Schweizer Meister
Um es gleich vorweg zu nehmen, der Schweizer Meistertitel der Steher hinter grossen Motoren bleibt weiterhin beim Velo-Club Steinmaur. Der in dieser Saison neu zum grössten Unterländer Radsport-Verein gestossene Giuseppe Atzeni wurde auf der Rennbahn Oerlikon inmitten einer durch die Armee stark verbauten, für die 1200 Zuschauer sehr unübersichtlichen und für die Fahrer im Innenraum komplizierten Anlage, erstmals Schweizer Meister. Er verwies seinen Clubkameraden, den Titelverteidiger und vierfachen bisherigen Meister Peter Jörg mit 290 Metern Vorsprung auf den zweiten Rang. Atzeni und Jörg beherrschten die Konkurrenz nach Belieben. Reto Frey (3.) und Jan Ramsauer (4.) verloren je fünf Runden, die übrigen vier Gegner, der über sich hinauswachsende Publikumsliebling Beat Breu, der sein erstes Steherrennen bestreitende Marcel Strauss (20 Rdn vor Schluss), der dritte VC Steinmaur-Fahrer Thomas Maag (35 Rdn vor Schluss) und Mario Birrer (51 Rdn vor Schluss) wurden kurz vor dem Endkampf mit zehn Runden Rückstand von der Jury aus dem Rennen genommen (und in dieser Reihenfolge auf den Rängen 5 bis 8 klassiert), was im Publikum auf grosses Unverständnis stiess. Das war geradezu ein Affront, als man Breu 12 Runden vor Schluss noch von der Bahn wies. Der Altstar bekam dafür vom Publikum auf seiner letzten Runde den grössten Applaus des Abends. Giuseppe Atzeni holte das vierte Schweizer Meistertrikot in den Velo-Club Steinmaur. Zuvor hatten bereits Patrick Merk im Kilometer-Zeitfahren und im Sprint sowie Sereina Trachsel auf der Strasse das Meistertrikot nach Steinmaur geholt.

Das Rennen hätte eigentlich von neun Fahrern bestritten werden sollen. Der neunte Fahrer, Alexander Mattmann, war jedoch in Oerlikon ohne Schrittmacher. Das war sehr bitter für den sehr enttäuschen Mattmann. Aus verschiedenen Gründen und trotz Bemühungen verschiedenster Personen war sein Stammschrittmacher Roberto Puttini, ebenso wie Rolf
Biondi, Helmut und Thomas Baur, nicht in der Lage nach, Oerlikon zu kommen.

Das 50 km-Rennen begann äusserst spektakulär, warteten doch die Favoriten Atzeni, Jörg und Ramsauer mit einem extremen Blitzstart auf. Bereits nach sechs Runden lagen sie dichtauf hinter dem erneut überraschenden Spitzenmann Frey (Startposition 2). Jörg hatte dabei das grösste Handicap, das schliesslich einer der Gründe war, weshalb er den Titel verlor. Bei seinem bereits 12. SM-Start musste Jörg nämlich aus 8. und letzter Position ins Rennen starten, während Atzeni und Ramsauer auf den Positionen 4 und 5 losspurten konnten. Ramsauer verbrauchte jedoch nach zwei Runden, als er Atzeni überholte und vorübergehend an zweiter Position lag, jene Kraft, die ihm später fehlte, kam er doch bei seiner Attacke kurz von der Rolle. Nach nur 22 Runden stand das Klassement der vier Besten bereits fest. Einmal an der Spitze legte Atzeni ein derart hohes Tempo vor, dass die Gegner ihn gar nie bedrängen konnten. Der frühere Meister Ramsauer verlor die erste Bahnlänge nach 42 Runden, Frey wurde vier Runden später vom entfesselten Atzeni ebenfalls überrundet. Man machte sich auf einen Angriff des stets mit 100 bis 150 Metern hinter Atzeni lauernden Jörg gefasst. Doch dieser kam nicht. Jörg, der in dieser Saison in allen Oerliker Rennen Atzeni bezwungen hatte, meinte dazu: "ich konnte bei diesem enorm hohen Tempo einfach nicht noch schneller fahren und das Handicap der hintersten Startposition nicht wettmachen. Aber vielleicht kann ich mir an der in einem Monat in Holland stattfinden Europameisterschaft wie Atzeni im Vorjahr diesmal unbelastet endlich diesen höchsten Titel holen." In der Tat war es mit 73,680 km/h das zweitschnellste Rennen in den letzten 7 Jahren, dies nachdem Hanskurt Brand im Jahr 2000 mit 78,006 km/h einen neuen Bahnrekord aufgestellt hatte.

Atzeni war nach je zwei zweiten und dritten SM-Rängen überglücklich über diesen ersten nationalen Titel und meinte dazu: " die mehrmalige Verschiebung dieses Titelrennens hatte für mich positive Aspekte. Nachdem ich meine Ferien zu meinen Eltern nach Sardinien abgesagt hatte. trainierte ich vier Wochen besonders intensiv. Das machte sich ausbezahlt. Ich war etwas überrascht, dass Jörg's Angriff nie kam".

Mit diesem Renntag wurde die Bahnsaison 2007 in Oerlikon offiziell beendet. Zwar finden am 25. und 27. September ihm Rahmen der Züspa innerhalb einer Armee-Schau noch zwei kürzere Demonstrations-Bahnrennen (mit Stehern etc ) statt, wofür aber noch kein Detail-Programm besteht. Die Saison 2007 litt enorm unter der schlechten Witterung, konnten doch nur elf von 22 Meetings vollumfänglich durchgeführt werden. Neun Renntage fielen ganz dem Regen zum Opfer, zwei mussten nach einer Stunde abgebrochen werden.

Text & Foto: Copyright Ernst Bretscher

Link: www.kettenrad.ch
(12. September 2007, Ernst Bretscher)

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