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Was sind Steherrennen?
Steherrennen werden auf der Radrennbahn gefahren. Die Akteure sind dabei
jeweils ein Sportler auf einem Rennrad, der "Steher", und ein
Sportler auf dem Motorrad, der "Schrittmacher". Gemeinsam bilden
sie das "Gespann" und konkurrieren, je nach Länge der Bahn,
mit bis zu neun gegnerischen Gespannen um den Sieg.
Am Motorrad wurden extra für diese Radsport-Disziplin folgende Veränderungen
vorgenommen:
- anstelle von Fußrasten sind Kästen montiert, da der Fahrer
auf der Maschine steht
- der Lenker ist so verändert, dass er U-förmig nach hinten
zeigt; so kann der Schrittmacher mit eng anliegenden Armen den Lenker
fassen
- die Sitzbank wurde ersetzt durch eine Vorrichtung mit fast senkrecht
montiertem Sattel, gegen den sich der Schrittmacher lehnen kann
- am Hintergestell wurde eine sich frei drehende Rolle montiert, die den
notwendigen Abstand des Stehers zum Motorrad garantiert - aus Sicherheitsgründen
gelten auf der Radrennbahn Höchstgeschwindigkeiten, die nicht überschritten
werden sollen; je größer der Abstand der Rolle, desto geringer
die Geschwindigkeit
Um die Bedingungen für den Steher zu optimieren, wurden auch an
den Rennrädern einige Veränderungen vorgenommen:
- das wesentlich kleinere Vorderrad bringt den Steher näher an das
Motorrad
- die Sitzposition des Rennfahrers ist weit nach vorn geschoben
- das Rad hat keinen Freilauf, so dass der Steher gezwungen ist, ständig
mitzutreten
Beim Starten eines Rennens müssen die Steher an der Bahninnenseite
hintereinander Aufstellung nehmen. Dazu wird die Startreihenfolge ausgelost.
Als erstes werden die Schrittmacher auf die Bahn gelassen. Während
sie ihre Positionen gemäß der Reihenfolge der Steher einnehmen
und dabei im Abstand von 5 bis 10 Metern um die Bahn kreisen, warten die
Steher auf ihren Rädern sitzend auf das Startzeichen. Beim Start
werden die Rennfahrer von einem Helfer angeschoben, um schnell Tempo zu
bekommen und sich an der Rolle ihres Schrittmachers einzuordnen.
Die Gespanne erreichen je nach Bahngröße eine "Reisegeschwindigkeit"
von 60 - 70 km/h, schnelle Runden können auch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit
von über 100 km/h gefahren werden. Eine große Rolle beim Erreichen
der Geschwindigkeit spielt der Windschatten, der hinter dem Schrittmacher
entsteht. Deshalb haben alle Schrittmacher die gleichen, und auch gleich
großen, zweiteiligen Lederanzüge an. Sie versuchen möglichst
viel Fahrtwind in die Jacke und in die Hose zu bekommen, damit sich die
Anzüge richtig aufblähen. Durch die normierten Anzüge spielt
es keine Rolle, ob der Schrittmacher groß oder klein, dünn
oder dick ist.
Eine gute Platzierung hängt zum großen Teil vom guten Zusammenspiel
zwischen Schrittmacher und Steher ab. Wenn der Schrittmacher zu schnell
ist und der Steher die "Rolle verliert", das heißt, sich
der Abstand zwischen Motorrad und Rennrad vergrößert, verliert
der Rennfahrer den Vorteil des Windschattens und es kann mehrere Runden
dauern, bis sich das Gespann wieder so gefunden und an Tempo zugelegt
hat, dass es wieder in den Wettkampf eingreifen kann. Ein Auffahren auf
die Rolle, die nur als Orientierungspunkt für die Rennfahrer dient,
wirkt wie ein Bremsvorgang. Deshalb ist es für die Steher wichtig,
so nah wie möglich an die Rolle heran zu fahren, aber sie nicht zu
berühren. Diese ideale Position erfordert viel Konzentration und
besonders Routine.
Bei dem Motorenlärm ist eine Verständigung zwischen Schrittmacher
und Steher akustisch nur durch kurze, in ihrer Bedeutung festgelegte Rufe
möglich. Dazu benutzen die Schrittmacher Helme mit nach hinten geöffneten
Ohrenklappen.
Auf der Fahrfläche der Rennbahn sind in verschiedenen Höhen
farbige Streifen aufgebracht. Sie dienen dem Einhalten bestimmter Regeln.
Die blaue Linie - etwa ein Drittel von der Innenseite der Bahn entfernt
- dient als Fahrlinie des Gespanns, das überholt wird, während
das überholende Gespann über dieser Linie fährt. Überholt
wird also ausschließlich rechts. Aus Sicherheitsgründen dürfen
nicht mehr als drei Gespanne nebeneinander fahren.
Text: Aurel Siegel
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